Manchmal benötigt man für die Formatforschung der Wissenschaftskommunikation auch Akkuschrauber, Arduino und hochgekrempelte Ärmel: RRC-Mitglied Andreas Sieß baut derzeit an einem interaktiven Exponat, das ab August in der Vita Ladan Gallery im südschwedischen Löderup gezeigt werden soll. Die Installation – Arbeitstitel: „Wandering Landscape Machine“ – soll darin eine zentrale Rolle einnehmen, indem sie die Verbindung von literaturwissenschaftlicher Forschung und moderner Neurowissenschaft interaktiv sichtbar macht. Bis es aber so weit ist, muss ganz pragmatisch und im Wortsinn Hand angelegt werden: Wir zeigen einige Impressionen „aus dem Maschinenraum“ – und wie aus einer Konzeptskizze ein digitaler CAD-Plan und schließlich ein handfestes Objekt entsteht.
Workflows
Ein Großteil der interaktiven Exponate, die in Galerien und Museen ausgestellt werden, entstehen durch spezialisierte Agenturen. Im herkömmlichen Workflow vereinbart man also mit einem externen Dienstleister ein grobes Konzept, und ein Planungsbüro übernimmt die Detailplanung, Projektsteuerung und Produktion inklusive Logistik. Mit der Wandering Landscape Machine erprobt das RRC eine andere Strategie, indem das gesamte Exponat „inhouse“ konzipiert, geplant, konstruiert und produziert wird. Das ist an der ein oder anderen Stelle zwar aufwendig, hat aber einige deutliche Vorteile:
Erstens: Es ist kostengünstiger. Zweitens: Die üblichen Kommunikationsverluste zwischen Auftraggeber:innen, Agentur und weiteren Dienstleister:innen werden signifikant reduziert – oder, weniger diplomatisch formuliert, es gibt weniger Gelegenheiten, dass gute Ideen unterwegs seltsam abbiegen. Drittens – und das ist vielleicht der entscheidende Punkt – ermöglicht dieses Vorgehen ein tatsächlich iteratives Design.

Gerade dieser letzte Aspekt ist für die Formatentwicklung besonders interessant. Wenn die Produktion im eigenen Haus stattfindet, lässt sich die Konzeption auch während des Bauprozesses noch nachschärfen. Ideen können überprüft, verworfen, angepasst und neu ausprobiert werden, ohne dass dafür erst mehrere E-Mail-Ketten, Freigabeschleifen und Abstimmungstermine nötig sind. Wo Auftraggebende und Ausführende in Personalunion auftreten, bleibt die gestalterische Kontrolle näher an der ursprünglichen Idee. Oder anders gesagt: Das Exponat muss nicht schon früh an externe Prozesse ausgelagert werden, sondern kann sich im Arbeiten selbst weiterentwickeln.
Agile Kunstproduktion als Formatentwicklung
Durch das iterative Vorgehen entsteht ganz automatisch ein Minimum Viable Product, das dann sukzessive überarbeitet und verbessert wird. Das heißt, es ist möglich, bereits sehr früh zu testen und das generelle Konzept am Gerät zu überprüfen: Funktioniert die Idee? Kommt die Message bei den Testpersonen an? Macht die Installation Spaß? Neu ist dieses Vorgehen natürlich nicht. In Innovationsmanagement und Softwareentwicklung ist es unter dem Schlagwort des agilen Arbeitens längst etabliert. Im Kontext szenografischer Formate für die Wissenschaftskommunikation zeigt sich jedoch, wie produktiv sich diese Logik auch jenseits klassischer Digitalprojekte einsetzen lässt. Zwischen Prototyping, Materialtest und Konzeptrevision wird das Exponat selbst zu einem Forschungsprozess – oder zumindest zu einer sehr anschaulichen Erinnerung daran, dass Erkenntnisgewinn gelegentlich auch nach Holzstaub riecht.
Remember kids, the only difference between screwing around and science is writing it down. – Adam Savage

Erste Experimente mit einem 3D-gedruckten Modell im Maßstab 1:20 im Labor Medienästhetik der H-BRS












Programmieren am offenen Herzen: Nachdem die ‘Maschine’ am Ausstellungsort ohne besondere Aufsicht funktionieren soll, war es notwendig, verschiede Sicherheitsvorkehrungen per Arduino-Code umzusetzen und die Funktion sofort am echten Objekt zu testen.

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