Wie bleibt ein Handbuch „lebendig“ – aktuell, anschlussfähig und verlässlich? Welche Schritte sind nötig, um ein Handbuch als digitale Plattform zu verstetigen? Und wie kann ein solches Projekt für Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsforschung entsprechend viele Zielgruppen erreichen? Das zweite Treffen des Advisory Boards des Living Handbooks of Science Communication and Science Studies des RRC diskutierte Antwortperspektiven und Möglichkeiten bei einem Online-Workshop. Board-Teilnehmende waren Elisabeth Hoffmann (Universität zu Köln), Elsa Poupardin (Université de Paris), Monika Taddiken (TU Braunschweig), Martin Bauer (London School of Economcs and Political Science) und Lakshmi Subramanian (Birla Institute of Technology and Science, Pilani)
Im Workshop wurden erste Erfahrungen mit der Living-Handbook-Website, Rückmeldungen zur Nutzer:innenführung sowie strategische Perspektiven für Inhalte, Formate und Kooperationen besprochen. Dabei zeigte sich: Gerade für ein derart dynamisches Vorhaben sind Formate notwendig, die auf neue Debatten, internationale Entwicklungen und praktische Erfahrungen gleichermaßen reagieren können, Interviews etwa, Podcasts, Fallstudien oder Erfahrungsberichte, die auch praktisches und implizites Wissen sichtbarer machen. Schließlich ist gerade das ein Hauptmerkmal des Living Handbook: kuratiertes und kontextualisiertes Wissen zu bündeln und damit mehr zu leisten als etwa eine alleinige Ansammlung von Definitionen oder schnellen Überblicken.
Ein Schwerpunkt des Treffens drehte sich außerdem darum, wie die Plattform nach deren Launch noch zugänglicher gemacht werden kann. Denn das experimentelle Interface des Living Handbook ist sowohl anregend wie herausfordernd: Es macht neugierig und erfordert gleichzeitig, sich näher mit seiner Funktionsweise auseinanderzusetzen, um die Angebote bestmöglich nutzen zu können. Dafür bleiben eine klare Nutzer:innenführung, sichtbare Einstiegspunkte und verständliche Orientierungshilfen wichtig.
Hinzu kommt die Zielgruppen-Frage. Da das Living Handbook gleichzeitig eine wissenschaftliche Ressource, ein praxisorientiertes Werkzeug und ein Wissensangebot für interessierte Laien darstellt, ist auch in dieser Hinsicht Offenheit ein Grundprinzip. Diese Offenheit zukünftig stärker zu kommunizieren, wurde seitens des Advisory-Boards als eine erste Hausaufgabe formuliert. Eine zweite betrifft die inhaltliche Weiterentwicklung: Um das Living Handbook nochmals anschlussfähiger zu machen, könnten in Zukunft aktuelle Debatten der Wissenschaftskommunikation stärker in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehören Themen wie Qualität und Vertrauen, Wissenschaftsbildung, epistemische Krisen, Politisierung von Wissenschaft, KI oder Perspektiven aus dem Globalen Süden.
Bei der Frage nach dem langfristigen Erhalt des Living Handbook ging es schließlich um Kooperationen mit ebenfalls bereits bestehenden Plattformen und Institutionen, um europäische Förderperspektiven, eine stärkere internationale Ausrichtung sowie die Möglichkeit, weitere Beitragende einzubinden.
Am Ende zeigt sich: Das Living Handbook ist mittlerweile in einer entscheidenden Entwicklungsphase angekommen, für die nicht zuletzt die Impulse des Advisory Boards eine wichtige Orientierung bieten.