Von Astrid Viciano, Vorstand der Wirtschaftspressekonferenz (WPK)
„Journalismus, der Verständnis und Resilienz aufbaut“ – so lautete das Leitmotiv der 13. Weltkonferenz der Wissenschaftsjournalist:innen in Pretoria. Probleme im Globalen Süden wie im Norden sollten dabei im Zentrum stehen, erklärten die Redner:innen zur Eröffnung der Sessions am 2. Dezember 2025 im CSIR International Convention Centre. Mehr als 450 Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten, Expertinnen und Experten sowie Stakeholder aus mehr als 70 Ländern kamen zusammen, um über „Wissenschaftsjournalismus und soziale Gerechtigkeit“ zu diskutieren und voneinander zu lernen. So betonte Blade Nzimande, Minister für Wissenschaft, Technologie und Innovation in Südafrika, die bedeutende Rolle des Feldes, um eine gerechte und menschliche Welt zu schaffen.
Drei Hauptredner:innen und 196 weitere Speaker widmeten sich in 58 Seminaren, Workshops und Vorträgen Themen wie Antibiotika-Resistenzen oder HIV und Tuberkulose. Elna Schütz vom südafrikanischen Verband SASJA diskutierte mit ihren Podiumsteilnehmenden aus Kenia, Südafrika und Lesotho, wie entscheidend es ist, bei diesen Themen an die sozialen und strukturellen Probleme der Betroffenen zu denken. Auch das erste afrikanische Projekt für investigativen Umweltjournalismus stellte sich vor: Oxpeckers kombiniert traditionelle Recherche mit Datenanalyse und Geo-Mapping-Tools, um Umweltverbrechen, illegale Ausbeutung natürlicher Ressourcen und organisierte Kriminalität aufzudecken. Mehr als 5500 Fälle von Wildtierkriminalität und Umweltvergehen weltweit sind in seinem WildEye–Tool verzeichnet, mit hinterlegten Originaldokumenten u. a. zu Gerichtsverfahren.
In praktischen Workshops konnten Wissenschaftsjournalist:innen lernen, wie sie Desinformation erkennen und ihre eigenen Recherchen verbessern: Open Notebook, eine gemeinnützige Plattform für Wissenschaftsjournalismus aus den USA, bietet seit 2010 Weiterbildungsmöglichkeiten für Wissenschaftsjournalist*innen aus aller Welt an. In einem Workshop wurde die spanische Version des Projekts vorgestellt, u. a. mit Masterclasses und Artikeln, die als Vorbild für angehende Journalist:innen dienen sollen. Die Initiative PerCientEx sammelt herausragende journalistische Beiträge zu Wissenschaft und Technologie, Medizin und Umwelt. Die Texte werden analysiert und in einer Datenbank dokumentiert, um gute Praxis im Journalismus sichtbar zu machen. Aus Deutschland kam der Prototyp eines KI-unterstützten Assistenz-Tools des Projekts Medien-Doktor von TU Dortmund und RRC.
Abgerundet wurde die Konferenz durch eine Auswahl von Exkursionen, darunter spektakuläre Angebote: etwa ein Besuch im Dinokeng Game Reserve, um die „Big Five“ und andere Wildtiere zu beobachten. Oder eine Fahrt zur Cradle of Humankind, um in unterirdischen Kalksteinhöhlen mehr über Fundstätten homininer Fossilien zu lernen. Oder eine Führung durch hochmoderne Forschungsinstitute, die sich der Entwicklung neuer mRNA-Impfstoffe für Entwicklungsländer widmen.
Zum Abschied in Pretoria nahmen Kolleg*innen des britischen Verbands ABSW den Stab für die nächste Konferenz in London im Jahr 2027 entgegen. Außerdem wurde verkündet, dass China die Veranstaltung zwei Jahre später ausrichten soll.